Eskapismus Tori Amos

Ich hatte es nicht so einfach. Ist wahrscheinlich das Resümee vieler, die über ihre Jugend sprechen. Und so auch ich. Ich hatte es nicht so einfach. In der Schule gaben sie mir eher Namen, als mich mit meinem Namen anzusprechen. Sie griffen mir lieber an den dicken Bauch, als ein Gespräch zu ergreifen.

Ich mochte die Schule nicht. Ich mochte den Ort nicht, die Menschen nicht, dass Schule bedeutete, nicht bei mir zu sein, sondern bei diesen Wesen, die irgendwelche Namen hatten. Marcel, Maurice, Martin, irgendwas mit M vielleicht. Vielleicht waren sie auch austauschbar. Aber ich konnte mich eben nicht austauschen.

Da hilft Eskapismus. Was sollte ich auch in einer Welt bleiben, die so unfreundlich zu mir war? Doch auch wenn der Verdacht nahe liegen mag: Videospiele waren nicht meine Flucht. Nein, es war Musik. Es war immer Musik.

Hardcore und Metal lagen mir lange Zeit am meisten. Wieso, das kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht war es der Drang, etwas anderes zu hören als das, was die anderen sahen wenn sie mich anschauten. Dazu dann die Staffage: Haare schwarz färben und Slipknot-Pullover tragen.

Aber als der erste richtige PC ins Haus kam und auf den Einfluss meiner Schwestern traf, der schon immer im Haus war, entdeckte ich eine Frau mit roten Haaren. Diese Frau heißt Tori Amos und hat mein Leben verändert.
Nun verändert eigentlich alles das Leben, schließlich ist das Leben nur Veränderung. Einiges verändert sich lauter, als anderes. Tori war sehr laut für mich.

Da war nun diese Frau am Tasteninstrument. Klavier, Cembalo, Rhodes, Wurlitzer, Keyboard, Hammond-Orgel und mehr konnte sie mit ihren Fingern so bedienen, das mir schwindelig wurde – und noch immer wird. Das war eine Frau, die ihr Handwerk verstand. Solche Menschen imponieren mir noch heute.
Und dazu sang sie und singt noch heute. Und damals, als ich es brauchte, sang sie mir Kraft zu. Nicht, weil ich mich so sehr in diesen Texten wiederfand. Nicht, weil sie mich tröstete. Sondern weil sie sang „Give me Peace, Love and a Hard Cock“.

Tori Amos war für mich nie dieses seufzende, ätherische Wesen, als das sie gerne beschrieben wird. Sie war und ist eine Frau, die die Kontrolle an sich gerissen hat. Eine Frau, die auf ihren Alben und vor allem auf der Bühne jedem Hörer, jeder Hörerin direkt ins Gesicht sah. Sie sah auch mir ins Gesicht. Und mit ihr sah ich dann anderen ins Gesicht.

„I shaved every place where you’ve been, boy“, ist ein Satz, den ich lange Zeit nur verstehen, aber nie erfühlen konnte. Vielleicht bis heute noch nicht erfühlen kann. Er ist wütend und hassend, er will genau das sein, in jedem einzelnen Wort. Tori Amos sang diese Sätze mit einem „and what?“. Ein, „and what?“, das ich auch endlich für mich entdecken wollte.

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Also ich Tori Amos fand, war nicht plötzlich alles besser. Aber es war plötzlich alles klarer. Es war klar, dass diese Arschlöcher von Grund auf Arschlöcher sind, mehr als jemals zuvor. Es war klar, dass alles verdammt konfus war. (Und dass ich, überraschend für niemanden, ein Homo war)

Heute mag ich weniger wiegen. Ich mag in einer Umgebung leben, in der ich weniger missachtet werde. Ich mag auch sehr viel anders sehen als damals, über vieles anders denken – oder überhaupt denken. Und doch, ich spüre genau, wenn das Bedürfnis nach Tori Amos wieder da ist. Es kommt immer, ist sehr zuverlässig. Und wenn es kommt, lasse ich es zu.

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Hardcore Vibes

Für ZEIT ONLINE habe ich über Dark Souls 3 geschrieben. Kein Test, sondern eine Beobachtung zu „Hardcore Gamern“, die „Casual Gamern“ nicht mögen und was das alles mit Gamer Gate zu tun haben könnt:

 

http://www.zeit.de/digital/games/2016-04/dark-souls-3-hardcore-gamer-casual

 

Bild: Bandai Namco

Traurig zocken

Für Giga Games habe ich nach Spielen gesucht, mit denen man keinen Spaß haben soll.
Krankheiten, Depressionen oder Missbrauch werden in diesen behandelt und können dadurch miterlebt und durchgespielt werden.

http://www.giga.de/spiele/darkest-dungeon/specials/ohne-spass-am-spiel-wenn-sich-games-mit-depressionen-und-krankheiten-beschaeftigen/

 

Bild: Giga Games

 

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Zocken mit Leitmotiv

Für das Van-Magazin, Webmagazin für Klassische Musik, habe ich mich in den Klangwelten von Videospielen verirrt. Eine Herzensangelegenheit.

https://van.creatavist.com/musik-videospiele

 

Foto: Nintendo

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Der Stadelmann

Für den Tagesspiegel habe ich Ingmar Stadelmann getroffen. Und dann war ich auch noch im Quatsch Comedy Club. Und dann habe ich das alles in einen Text gepresst. Und dann habe ich ihn hier gepostet:

 

http://www.tagesspiegel.de/kultur/eine-begegnung-mit-ingmar-stadelmann-humor-ist-wie-lego/12900542.html

Bild: Promo

 

 

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Sich spielerisch diskriminieren lassen

Für ze.tt habe ich mir Gedanken über Spiele gemacht, in denen man nicht der strahelnde Held ist, sondern das Opfer, der oder die Diskriminierte.

 

http://ze.tt/diese-games-drehen-den-spiess-um-entdecke-das-opfer-in-dir/

 

Foto: 11 bit studios

 

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Flüchtlinge auf der Bühne?

In der muckeligen Schillerbar der Staatsoper im Schillertheater habe ich mich mit zwei jungen Dramaturgen unterhalten. Es ging um Unbehagen, Flüchtlinge, Kunst und vieles mehr:

 

http://www.tagesspiegel.de/kultur/buehne-und-dramaturgie-das-ende-der-ironie/12846144.html

 

Foto: Vincent Stefan

 

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